Meine Chefin ist eine Leseratte, deshalb hier

ein paar persönliche Tipps von ihr:

1. SUZANNE CLOTHIER: ES WÜRDE KNOCHEN VOM HIMMEL REGNEN. ÜBER DIE VERTIEFUNG UNSERER BEZIEHUNG ZU HUNDEN 

animal learn verlag, geb., 2004

Dieses Buch  ist ein ABSOLUTES Lieblingsbuch! Es handelt sich bei diesem ganz speziellen Werk der Kynologie nicht einfach um ein weiteres Erziehungsbuch (Motto: mach dies...dann macht Dein Hund sofort das), sondern um ein Hundebuch ganz besonderer Art. Suzanne Clothier hat nach eigenen Schilderungen ihr gesamtes Leben (auch als Trainerin und Expertin) mit Hunden verbracht. Bereits als kleines Mädchen stellte sie sich in ihrer Phantasie vor, wie es wäre, selbst ein Hund zu sein (und lebte dies, sehr zum Ärger ihrer Familie, auch teilweise aus). Sie erhalten bei der Lektüre eine völlig neue Sichtweise auf Ihren Hund, einen tiefen Einblick in die hundliche Welt, in die Perspektive unserer vierbeinigen Freunde, in deren Sorgen, Ängste und Freuden. Die in vielen Rezensionen verwendete Bezeichnung "spirituell" möchte ich hier vermeiden (schreckt sie doch einige Leser ab, die damit "Spinnertum" assoziieren); ich würde stattdessen eher wählen: behutsam, humorvoll, intelligent, zugewandt, einfühlsam, tief empfunden. Sie erfahren auf unterhaltsame Weise, wie und warum Hunde Führung (ohne Gewalt) brauchen und lernen viele eindrucksvolle Hundepersönlichkeiten kennen, die noch lange in Ihrem Gedächtnis haften bleiben werden. Manche Geschichten provozieren auch evtl. Tränen, wenn man sich eigener Defizite im Umgang mit seinem Hund bewusst wird.

Fazit: Dieses Buch hilft, "Hundeseelen" zu begreifen und ein "guter Hundemensch" zu werden.

2. PATRICIA McCONNEL: DAS ANDERE ENDE DER LEINE - WAS UNSEREN UMGANG MIT HUNDEN BESTIMMT,

kynos verlag, geb. 2004

Dass das menschliche Tun am "anderen Ende der Leine" den Hund beeinflusst, ist nichts Neues.
Neu ist aber diese umfassende, humorvolle und sehr anschauliche Darstellung menschlich-tierischer Verständigungsprobleme und deren Ursachen.
Die amerikanische Zoologie-Professorin McConnell zeigt in sehr unterhaltender Weise auf, welche Folgen unser Verhalten und Nicht-Verhalten auf unsere Vierbeiner haben, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt und wo und wie Verständigungsprobleme einfach vorprogrammiert sind.
Allein die anschauliche Beschreibung der unterschiedlichen Begrüßungsweisen von Primaten (frontal) und Caniden (seitlich) kann zu schmunzelnder Erkenntnis führen, warum unser Hund sich über unsere stürmische Begrüßung nicht immer so freut, wie wir es erwarten. Da Hunde uns ständig "lesen" , interpretieren sie das Gelesene auf ihre sehr eigene Art (besonders unsere "konfus" gesendeten körpersprachlichen Signale)...und reagieren darauf für uns dann völlig überraschend. Zitat: "Das Beste an unserer Sprache macht uns zu den schlechtesten Trainern."
Dieses Buch ist ein echter "Stolperstein-Verhinderer" für die Mensch-Hund-Kommunikation.

3. PATRICIA McCONNEL: LIEBST DU MICH AUCH? DIE GEFÜHLSWELT BEI MENSCH UND HUND,

kynos verlag, geb. 2007

Die alte Frage, ob Hunde auch Gefühle, wie Angst, Ärger, Wut, Mitleid, Trauer etc., haben - und die für jeden wirklichen Hundebesitzer wohl längst beantwortet ist - wird hier in neuer, interessanter Weise aufgenommen. Patricia McConnell hat die Kombination aus Wissen, Beobachtung, eigener Erfahrung, tiefen Gefühlen und sehr viel Humor aus ihrem ersten Buch "Das andere Ende der Leine" fortgesetzt.
Einerseits schreibt die Autorin ein hochemotionales Buch, andererseits stellt sie anschaulich die aktuellen Ergebnisse der Gehirnforschung, Neurobiologie und Biochemie vor. Man erfährt, wie Gefühle entstehen, welche Funktion sie haben und wie sie sich ausdrücken können. In der aktuellen Hundeszene ist das Wort "Vermenschlichung" bekanntlich mit einem absoluten Tabu belegt. McConnell zeigt an anschaulichen Beispielen und mit viel Witz, dass Vieles von der Spezies Mensch durchaus auf die andere Spezies Hund anwendbar ist, ohne einen von beiden abzuwerten oder ihm Unrecht zu tun.
Aufbauend auf den bekannten "Calming Signals" und weiteren Merkmalen der Hundesprache, findet man detaillierte "Beobachtungsanleitungen", um die Gefühlswelt unserer Hunde zunächst einmal richtig zu erkennen und dann auch zu deuten. Gut gefällt mir, dass die Autorin trotz großer Kenntnisse oft einfach zugeben muss: "Wir wissen es nicht...wir können nur vermuten...!"
Vielleicht nähern Sie sich nach der Lektüre dieses wunderbaren Buches mal einem fremden Hund mit schiefgelegtem Kopf, "offenen Fang", schlenkernden Gliedmaßen und in respektvollen Bogen....und warten ab, was passiert?
Ein Lesevergnügen für alle an der "Hundeseele" Interessierten.

4. GABRIELE NIEPEL: SO WIRD MEIN HUND ZUM FREUND. SINNVOLLE BESCHÄFTIGUNG MIT DEM FAMILIENHUND IM ALLTAG,

müller rüschlikon verlag 2005

Das zentrale Problem der heutigen Hundehaltung liegt wohl darin, dass die "modernen" Hunde geistig nicht genug gefordert sind. Dagegen hilft auch nicht der tägliche Spaziergang, bei dem Mensch und Hund (oft jeder für sich) auf immer gleichen Wegen dahintrotten, oder die tägliche halbe Stunde am Fahrrad. Viele sog. "Macken" der Vierbeiner resultieren daraus, dass der Hund "kopfmäßig" überhaupt nicht ausgelastet ist, da er keinerlei Aufgaben und Herausforderungen mehr erlebt.
Genau in diese (Wissens-) Lücke springt das sehr gut aufgebaute Buch von Gabriele Niepel.
Da sie promovierte Pädagogin ist, ist ihr Zugang ein etwas anderer als der der reinen Hundetrainer, Biologen oder Tiermediziner. Sie gibt viele wertvolle Tipps für sinnvolle Beschäftigungen im Haus und Beispiele, was man alles mit seinem Hund auf einem "ganz normalen" Spaziergang (ohne aufwändige Requisiten und eine Vielzahl von teurem Zubehör) aktiv tun kann, damit die tägliche Runde BEIDEN Spaß macht. Sie zeigt, dass kleine Tricks Ihren Vierbeiner nicht zum dressierten "Zirkushund" machen, sondern ihm Freude, Ausgeglichenheit und innere Zufriedenheit verschaffen. Und vor allem: Sie geht auf die unterschiedlichen (Rasse-) Begabungen der Hunde (Hütehunde, Jagdhunde, Nordische Hunde etc.) und auch die verschiedenen Veranlagungen der Menschen (sportlich/unsportlich usw.) ein. Alle Eurasierbesitzer wissen z. B., dass nur die wenigsten unserer Hunde fünfzigmal nach immer dem gleichen Ball rennen (meist ist viermal schon "zu öde"), was bei Terriern i. d. R. ganz anders funktioniert.
Das Buch ist ein gut gelungener Ratgeber, wie auf dem Beschäftigungsweg die Bindung ohne Druck und Strafe, allein durch positive Verstärkung und gemeinsames Erleben (Motto: "Tricks machen Spaß!", "Was kommt als nächstes?"), aufgebaut wird. .....und: der Hund ist danach wirklich k.o. !!!!

5. KATJA KRAUSS: HUNDE ERZIEHEN MIT DEM CLICKER,

kosmos verlag 2006

Das Buch von Katja Krauß über die "sanfte Erziehungsmethode" CLICKERN ist sowohl für absolute Anfänger als auch für bereits Geübte bestens geeignet. Es hebt sich darüber hinaus wohltuend von der Flut der derzeitigen Clickerbücher ab: immer mit Humor und Augenzwinkern, immer mit Liebe zum Hund, immer unter Einbeziehung von Problemen und möglicherweise auftretenden Schwierigkeiten.
Es ist gut didaktisiert mit Zusammenfassungen, Wiederholungen, anschaulichen Fotos und auflockernden Karikaturen. Zahlreiche Tipps und Tricks unterstützen die Übungen (z. B. zu welchem Lernschritt man zurückkehren sollte, wenn das Neue noch nicht gleich klappt). Das Buch spiegelt auf erfreuliche Art auf jeder Seite das Wissen um eine ganzheitliche Methodik (incl. TTouches, Belohnungssysteme usw.) in der modernen Hundeausbildung wider.
Hier feiert sich dankenswerterweise nicht noch eine weitere "Clicker-Päpstin" selbst, sondern eine warmherzige Profi-Trainerin lässt den Leser an ihrer reichen Erfahrung teilhaben ....und das alles praxisnah, ohne Mätzchen und erhobenem Zeigefinger und dazu auch noch preisgünstig.
Klein, praktisch, knackig - wie der Knallfrosch selbst!
Ein Muss für jeden Hundebesitzer und ein prima Mitbringsel für alle Hundefreunde!!!

6. VIVIANE THEBY: VERSTEHE DEINEN HUND. KOMMUNIKATIONSTRAINING FÜR HUNDEFREUNDE,

kosmos verlag 2006

Dieses Buch ist sehr gut geeignet, für Hundehalter, die keine "totalen" Leseratten sind, wenig Zeit haben, sich schnell einen Überblick verschaffen wollen, praktische Hilfen und Hinweise suchen, ohne sich mit langtatmiger Theorie zu belasten usw. Es ist preiswert, gut aufgebaut, mit wunderbaren Cartoons ergänzt und etwa in zwei Stunden durchlesbar.
Missverständnisse zwischen Mensch und Hund haben ihre Ursache häufig darin, dass wir uns dem Hund nicht verständlich machen (können), doppeldeutig agieren (Widerspruch von Worten und Körpersprache) und zwei- bis dreimal "Gesagtes" als bereits "Erlerntes" erwarten. Hunde (für die wir mindestens eine Fremdsprache benutzen) haben deshalb die meiste Zeit ihres Lebens große Fragezeichen auf ihrer Stirn.....und versuchen dennoch, in uns "zu lesen", was wir evtl. diesmal meinen könnten.
Die Verhaltenstherapeutin Theby weist auf "Kommunikationskiller" hin, stellt Übungen zum besseren gegenseitigen Verstehen vor, untersucht den Einsatz von "Hilfen" bei der Hundeerziehung und führt uns immer wieder die (hilfreiche) Perspektive des Hundes vor Augen.
Ein kleines Buch, das mit großem Gewinn genutzt werden kann.

7. Dorothee Schneider: Die Welt in seinem Kopf: Über das Lernverhalten von Hunden,

gebundene Ausgabe, Verlag animal learn 2005


Wollen Sie wissen, WANN Ihr Hund am besten lernen kann? WIE er genau lernt? Warum häufige WIEDERHOLUNGEN so wichtig sind? Warum manche Übungen sofort klappen, andere über Jahre hinweg nie? Möchten Sie den Grund wissen, warum einmaliges "Durchgehenlassen" von eigentlich Verbotenem tiefgreifende Folgen haben kann?
 
Gewaltfreie Ausbildung des Hundes auf der Basis von Vertrauen, Emotionen und Belohnung wird heutzutage allenthalben propagiert. Dafür ist es allerdings unabdingbar, überhaupt zu wissen, WIE ein Hund lernt. Die Forschung hierzu steckt noch in den Kinderschuhen. Zumindest sollte die Ausbildung nicht den biologischen Strukturen des Hundes zuwiderlaufen.
 
Dieses Buch vermittelt auf anschauliche Weise (unterstützt durch Zeichnungen von Andrea Lühr) das Wissen über die biologische Stimmigkeit von Trainingsmethoden.
Kennt man die neurologischen Grundlagen des Denkens und Lernens, kann man das Training "hundgerechter" und "gehirngerechter" aufbauen, wird dadurch schneller erfolgreich sein und vermeidet unsinnige Trainingsmethoden sowie zu hoch gesteckte Übungsziele.

8. Carsten Sebastian Henn: TOD & TRÜFFEL. Ein Hundekrimi aus dem Piemont,

Ullstein-Taschenbuch 2009, 8.95 Euro

Hier ein sehr schönes Hunde-Buch .....nix zur Hunde-Erziehung, nix Wissenschaftliches, sondern ein HUNDE-KRIMI!
 
Naja, ich finde zwar eigentlich nicht, dass es überhaupt ein Krimi ist, dafür aber ein wunderbares und amüsantes Buch über den Kampf italienischer Dorf-Hunde gegen bzw. mit einem Wolfsrudel.
 
Ihr lernt das kleine, aber mutige italienische Windspiel Niccolo ebenso kennen wie den alten Trüffelhund Giacomo (der am liebsten Trüffel mit Barolo mag), den Boxerhund James Dean, den Chow-Chow Blitz, die Spanielhündin Canini, den Pinscher Houdini, den Doberman Junior, den Pudel Pinkie, den Border-Collie Spürer und viele andere.
 
Erzählt wird immer aus der Sicht der Hunde und der Wölfe - was an sich schon oft recht lustig ist.
Besonders aufschlussreich :-) ist aber deren Sicht auf uns Menschen :-)
 
Also: kein weltbewegendes Buch,..... aber eines, das Spaß macht und ideal zum Schmökern im Garten, am Strand, auf einer Berghütte - oder wo auch immer man sich entspannt - ist.

 9. Günther Bloch / Elli H. Radinger: WÖLFISCH FÜR HUNDEHALTER
- Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern -

Kosmos Verlag 2010


Günter Bloch ist kein "Theoretiker"; er beschreibt Hunde-Erziehung in seinen Büchern immer ganz konkret und praktisch...was ihn für mich so sympathisch macht. Er ist kein Vertreter von Gewaltmaßnahmen, aber auch kein "Wattebausch-Werfer", sondern hat als einer der ersten unmissverständlich klargestellt, dass jedes Zusammenleben mit dem Hund "Hausstandsregeln" (also auch Tabus und Verbote) braucht.

In dem neuen Bloch-Buch wird nun mit Vorurteilen und Mythen aufgeräumt, allerdings - aus meiner Sicht - eher mit Mythen über Wolfsverhalten. Vieles, was in Hundetrainerkreisen vom "wölfischen Erbe" unserer Hunde so geraunt wird, beruht leider ausschließlich auf der Beobachtung von Wölfen in Gefangenschaft.

Bloch hingegen beobachtet seit Jahren in Kanada und den USA Wölfe in Freiheit, die ein völlig anderes Verhalten zeigen. Von daher "räumt" er wirklich mit so manchem Irrglauben auf.

Wo das Buch für mich Schwachstellen zeigt, das ist die Anwendung und Übertragung auf und für den Hundehalter und seine täglichen Probleme.

Das gesamte Buch ist mit kurzen Texten aufgebaut in:
"Behauptet wird ... Fakt ist ... Bedeutung für den Hundehalter" ...und da gerät die "Bedeutung" für den Hundehalter oft etwas schmal und scheint gezwungen.

Fazit: Ein tolles WOLFS-Buch, flott und gut verständlich geschrieben, mit faszinierenden Bildern und aktuellen Einblicken in die moderne Wolfsforschung,
- aber kein "Hunde-Erziehungs-Buch".
Also: ein wirklich empfehlenswertes Buch für alle, die sich für die Urväter unserer Fellnasen interessieren: die Wölfe.